Schlechte Laune, gruseln und verlieben im Dschungel von Ecuador
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Schlechte Laune, gruseln und verlieben im Dschungel von Ecuador
2017-12-19
by Passenger-X
Schlechte Laune, gruseln und verlieben im Dschungel von Ecuador
  •  Ecuador
Wer träumt nicht davon einmal umgeben von riesigen Bäumen, Affen und Papageien zu sein? Das ist das Abenteuer "Dschungel" - erlebe es in Ecuador.
Ecuador ist unter Naturfans für Vieles bekannt: die Galapagos Inseln, Vulkanwanderungen am Cotopaxi, Nebelwälder und auch den Dschungel in Cuyabeno. All das habe ich in meine Südamerika Reise eingeplant und nun nach drei Wochen in Ecuador, ging es endlich auch in den Dschungel. Denn wer träumt nicht davon einmal in der puren Natur zu stehen, umgeben von riesigen Bäumen, um einen herum Affen und Papageien? Doch leider war nicht alles traumhaft. Hier kommt also ein ehrlicher Reisebericht vom großen Abenteuer „Dschungel“.  

Eine Anreise, die schlechte Laune macht

Schon von Deutschland aus hatten wir unsere Tour gebucht. Das wäre überhaupt nicht nötig gewesen, denn wie sich herausstellt gibt es mehr als genug kurzfristige Angebote, die man leicht von jeder Unterkunft in Quito aus buchen kann. Keine von denen hätte uns allerdings die absolut nervige Anreise ersparen können. Um 23 Uhr soll uns der Pickup abholen, um uns zum Nachtbus zu bringen. Überraschenderweise kommt der Fahrer bereits eine Stunde früher und setzt uns nicht etwa am Busbahnhof, sondern an einem Hostel in der Innenstadt ab, wortlos. Hier warten wir eine knappe Stunde, bis ein großer Bus vor der Tür auftaucht. Unser „Nachtbus“.  Sechs bis acht Stunden soll die Fahrt dauern. Mir war schon klar, dass ich wohl kein Auge zumachen können würde, dass es dann aber so schlimm wird, hatte ich nicht erwartet. Denn der Nachtbus ist nicht etwa mit besonderen Stühlen ausgestattet noch bietet er Beinfreiheit. Wir sitzen in einem normalen knarrenden Bus, in dem unsere Knie an den Vordersitz stoßen. Nach sechs Stunden kommen wir vollkommen gerädert in einer Kleinstadt an, in der wir an einem Restaurant ausgesetzt werden. Hier sollen wir auf unseren weiteren Transport warten. So vergehen 2,5 Stunden, in denen keiner genau weiß, wann uns wer abholen wird und wir notgedrungen eines der miserablen Frühstücke bei den unfreundlichen Kellnern bestellen. Dann endlich tauchen die ersten Minitransporter auf. Jeweils ein Fahrer, ausschließlich spanisch sprechend (wir hatten eine englische Tour gebucht), kommt auf die ausgesetzten Touristen zu. Doch unser Name steht auf keiner der Listen. Bis dann irgendwann auch der letzte Fahrer erscheint. Endlich geht es weiter. Ruckelige zwei Stunden später, fühle ich mich, als hätte man mich gefoltert. Ein Bett, bitte ein Bett! Doch noch sind wir nicht da. Am Fluss in einer Holzhütte warten wir, bis wir zur Überfahrt in einem motorisierten Kanu abgeholt werden. Inzwischen sind wir 15 Stunden unterwegs, auf unseren Weg in den ecuadorianischen Dschungel von Cuyabeno. Mit dem Einsteigen ins Kanu verabschiedet sich der Stress der letzten Stunden schlagartig. Um uns herum zwitschert es. Wir fahren unter Lianen hindurch und überall, soweit das Auge reicht: grün. Nichts als Natur. Das ersehnte Abenteuer kann endlich losgehen.  

Das Schlangen-Selfie

  Als das Kanu anhält bin ich begeistert: unser Unterkunft ist wirklich mitten im Dschungel. Ein Holzsteg führt vom Fluss zum großzügigen Baumhaus, umgeben von gigantischen Bäumen, Palmen und Lianen. Uns empfängt ein offen gestalteter Aufenthaltsraum, ausgestattet mit reichlich Tischen, Stühlen und Hängematten. Genauso stellt man es sich vor. Nach einem schnellen Check-In geht es in unser Zimmer für die nächsten vier Nächte. Ich staune nicht schlecht. Nicht nur, dass es wirklich sauber und komfortabel ist, nicht ein Insekt sitzt hier. Ich hatte mich alptraumhaft schon auf diverse Spinnen und Käfer eingestellt. Nicht einmal das Moskitonetzt über dem Bett scheint nötig zu sein. Zumindest nicht bei uns. Denn wir haben eines der geschlossenen Zimmer erwischt. Anders sieht es bei einem Dänen aus, den wir beim Abendessen kennenlernen. Sein Zimmer ist im obersten Stockwerk, welches offen gestaltet wurde. Das Dach beginnt auf Stützen angebracht einige Meter über dem Ende der Wände und scheint ein beliebter Ort für Fledermäuse zu sein.   Noch spannender ist allerdings ein weiterer Mitbewohner: eine circa zwei Meter lange Schlange hat ihren Schlafplatz im Badezimmer bezogen. Toilettengänge und auch duschen – kein Ding, wie unser Guide meint. Die Schlange sei nicht gefährlich, noch nicht. Wir seien bei ihrer aktuellen Größe keine interessante Beute. Hingegen seien die Fledermäuse der Grund, warum sie sich diesen Ort ausgesucht hätte. Der Däne nimmt es abenteuerlich und nutzt die Situation für lustige Duschselfies mit Schlange.

Sonnenuntergang im Dschungel

Am Abend steht die erste Tour an und ohne groß nachzudenken steige ich ins Kanu ein. Die Sonne steht tief und so geht es zunächst zur Lagune, wo wir beim Schwimmen einen wirklich wunderbaren Sonnenuntergang genießen können. Spätestens jetzt bin ich entschädigt für die furchtbare Anfahrt.  

Panik beim Nachtwandern

  Mit Anbruch der Dunkelheit manövriert uns der Fahrer ans Ufer. Gummistiefel an und aussteigen. Wir sind auf der Suche nach nachtaktiven Tieren. Mit jedem Schritt mehr, gruselt es mich mehr. Ausschließlich unsere Taschenlampen bringen ein Hauch von partiellem Licht. Alles, was nicht exakt im Lichtkegel ist, bleibt ein Geheimnis. Umgeben von dicht bewachsenen Dschungel ist dieses Geheimnis riesig. Ob gerade hinter mir eine Schlange den Weg entlang gleitet, oder über meinem Kopf eine riesige Spinne ihre Beute verspeist – weiß ich nicht. Und das macht mich unruhig. Mein Herz pocht und in mir steigt Panik auf. Nein, ich fühle mich nicht wohl. Das hier übersteigt meinen Abenteuergeist. Und so klammere ich mich an meinen Freund und erschrecke bei jeder neuen Entdeckung. „Oh da, ein riesiges Insekt, oh da eine Schlange. Nein wie toll, da sitzt eine gigantische Tarantel.“ Ich mache drei Kreuze, als wir wieder zurück in der Unterkunft sind und weiß jetzt: Nachtwanderungen, das ist einfach nicht mein Ding. Mein Freund hingegen ist vollkommen begeistert, die Wanderung wird eines seiner absoluten Highlights Ecuadors werden.

Es ist haarig, langsam und ich bin verliebt

  Schon mehr nach meinem Geschmack sind die Ausflüge bei Tageslicht. Wir sind auf dem Weg in ein kleines Dorf, um den Schamanen zu treffen. Doch schon die Fahrt dorthin wird zu meinem persönlichen Highlight im Dschungel von Ecuador. Unser Guide ist studierter Biologe und hat ein erstaunliches Geschick beim Sichten von Tieren. In der Krone eines Baumes in der fünften Reihe sitzt ein Tukan – er sieht ihn sofort.
Zwischen all dem Fiebsen ist ein weit entferntes leises Kreischen – er weiß, wo wir die Affen finden werden. Für die Kamera meist zu weit weg oder zu schnell, sehen wir so sechs verschiedene Affenarten, leuchtend blaue riesige Schmetterlinge, Tukane, Geier, unzählige andere Vögel und sogar „pinke Flussdelfine“. So richtig pink sind die übrigens gar nicht. Eher haben sie hautfarbene Flecken und sehen kann man sie auch nur schwer, weil sie nur extrem kurz auftauchen. Zudem ist ihre Route schwer zu berechnen und so schauen wir immer wieder in die falsche Richtung. Aber immerhin, für Bruchteile einer Sekunde können wir ihre Rückenflossen sehen. Absolutes Entzücken kommt in mir auf, als wir in den raschelnden Baumkronen über uns ein Faultier sichten.
Schnell wird das Boot angehalten. Laaaangsam bewegt sich das haarige Tropentier über unseren Köpfen von einem Baum zum nächsten und kommt uns so sogar noch näher. Tatsächlich sind Faultiere so niedlich, wie die große Social Media Welle vor ein paar Jahren behauptet hat. Ich bin schockverliebt.

Schmerzen ertragen und jagen mit dem Schamanen

Medizinmänner im Dschungel Ecuadors nennt man „Schamane“. Dank ihres Eicawaskas, einem halluzgenem  Getränk aus diversen Gewächsen, hört man auch weit über die ecuadorianischen Grenzen hinaus von den Ritualen. Bucht man eine Tour in den Dschungel von Cuyabeno, so ist der Besuch beim heimischen Medizinmann für gewöhnlich Teil des Pakets. Kommt die Touristengruppe ins Palmenhäusschen, wird sich auch extra die traditionelle Kutte angezogen. Wir dürfen fragen, was auch immer wir gern wissen wollen und so wird viel über die Wirkung des berühmten Gemisches geredet. Über Traditionen und Genderpolitik im Schamanendasein. Anschließend werden wir in einige der traditionellen Bräuche eingeführt. „Freiwillige vor!“  Zweien der Gruppe wird der Rücken mit Brennnesselzweigen behandelt, das brennt nicht nur, sondern gibt auch riesige Bubsel. Soll wohl gut für die Durchblutung sein. Andere setzten sich auf Hockern, damit der Schamane mit Blättern über ihren Köpfen rascheln kann, während er für uns unverständliche Verse spricht.   Zum Abschluss werden wir vom Schamanen noch in die traditionellen Jagdtechniken eingeführt. Mit selbstgeschnitzten Speeren werden Wildschweine gejagt, mit Blasrohr und Giftpfeil diverse andere Tiere. Mit einem Stückchen Yuka als Zielscheibe darf sich jeder mal an dem Blasrohr versuchen. Der Schamane trifft, ist ja klar. Einer nach dem anderen ergreift das Rohr und verfehlt die Yuca. Ich will erst nicht, doch die Gruppe überredet mich. Vom Rohr entfernt Luft holen, zielen und dann den Pfeil im Rohr auf die Zielscheibe pusten. Ich habe wohl zu schwach gepustet, der Pfeil scheint sich nicht aus dem Rohr hinaus bewegt zu haben. Um mich herum fängt Gelächter an. Ich weiß schon, warum ich das nicht wollte. Doch der Schamane deutet mir: ich habe getroffen. Das Lachen war zustimmend, ich habe tatsächlich getroffen. Und so darf ich den Pfeil als Andenken mit nach Hause nehmen. Er wird einen Ehrenplatz im Reisemitbringsel-Regal bekommen.
Nach all diesen Abenteuern ist die anstrengende Anreise fast schon vergessen, als es nach vier Tagen auf den Rückweg nach Quito geht. Das war es dann doch wert.
 

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Tags:
Ecuador, Dschungel, Jungel, Wildlife, Abenteuer, Cuyabeno, Amazonas, Regenwald
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World Trip, Sights, Cultures, Bad Experiences, Landscapes
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Deutsch
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