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Enttäuschend: Meine zwei Tages Wüstentour in Marokko
2017-04-24
by Passenger-X
Enttäuschend: Meine zwei Tages Wüstentour in Marokko
  •  Morocco
Wer nach Marokko fährt, der hat das Land nicht kennengelernt, ehe er nicht auch die Wüste gesehen hat. Klar also, dass auch ich eine Tour in die Sahara unternehmen wollte. Eine 2-tägige Wüstentour in Marokko inklusive Kamelritt, netten Guides, einem fantastischen Sternenhimmel und einem hübsch aufgebauten Camp. Klingt doch Perfekt, oder? War es aber leider nicht. Drei Tage hatten wir in Marrakesch, bevor wir in unser Wüstenabenteuer starteten. Genug Zeit um die engen wuseligen Gassen der Medina zu erkunden, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Marrakeschs zu besuchen und sich im Verhandeln zu üben. Am vierten Tag holte uns um 8.30 Uhr ein Mann im Riad ab, der packte unsere Tasche in eine Karre und führte uns durch die Gassen bis zu unserem Tour Guide, Adil. Welcher bereits auf uns an seinem Auto wartete.  

Wüstentour in Marokko – Das Abenteuer beginnt

Da diese Tour ein Geburtstagsgeschenk für meinen Freund war, hatte ich sie exklusiv für uns zwei gebucht. Sowas gönnen wir uns sonst nicht. Doch meine Hoffnung war es, dass wir so, ganz ohne andere Touristen, das Gefühl etwas Einmaliges zu erleben, voll ausreizen könnten. Wir steigen also zum 28-jährigen Adil ins Auto und fahren los. Kaum haben wir die Medina hinter uns gelassen, sind wir mit dem Smalltalk geübten Guide auch schon mitten im Gespräch. So vergehen die ersten eineinhalb Stunden fast ohne eine stille Minute.  

Unser erster Schockmoment

Adil kündigt an, es sei Zeit für eine erste Pause. Gut so, die Beine zu vertreten kann nicht schaden. Wir halten an einem Café. Direkt neben einer ganzen Reihe Touristenbusse. Da erleiden wir einen ersten Schock, mit dem das Gefühl von Einmaligkeit direkt verfliegt. Adil verweist uns auf die Aussicht von der Dachterrasse, verabredet eine Zeit mit uns und verschwindet dann in eine Ecke im Café, in der bereits ein Dutzend anderer Guides sitzen. Um uns herum unzählige junge Touristen. Es wird Englisch und Spanisch gesprochen. Wir reihen uns in die Schlange ein und bestellen einen Kaffee. Wie die anderen Touristen auch, gehen wir auf die angepriesene Terrasse, mit dem Blick auf die Berge. Ein wenig die Beine vertreten, dann geht’s auch schon weiter. Zurück im Auto reden wir mit Adil über Marokko, die politische Situation und die Bedeutung der Religion im Lande. Wieder einmal stelle ich fest, wie ähnlich sich Menschen und Ansichten sein können, selbst wenn sie in vollkommen unterschiedlichen Ländern und Kulturen leben.
 

Halt am UNESCO Weltkulturerbe

Unser nächster Stopp ist das UNESCO Weltkulturerbe Kasbah Aït-Ben-Haddou. Ein Dorf aus Lehm, gebaut auf einem Hügel in der Nähe des Atlasgebirges. Wieder parken wir an einem Café, wieder stehen wir neben Touristenbussen. Der Ort als solches ist nett anzuschauen und vermittelt auch etwas Wüstengefühl. Zudem wurden in der Lehmburg diverse Filme gedreht, was man sich hier auch gut vorstellen kann. Da das Kasbah keinen Eintritt kostet, haben wir aber auch keine großen Ansprüche. Die vielen anderen Touristen, die einem ständig durch das Bild turnen versuchen wir einfach auszublenden.
Tipp: Wer auf eigene Faust eine Wüstentour in Marokko plant, mit dem Auto unterwegs und in der Nähe ist, der kann ruhig mal Halt machen. Dann empfehle ich aber die Morgen- oder Abendstunden. Denn gegen Mittag überfallen die Horden an Touristen, welche mit den organisierten Touren kommen, den Ort. Adil führt uns zurück zum Café, an dem unser Auto steht. Dort wird nun Pause gemacht, es ist Lunchzeit. Wir sitzen in einem bunten großen Zelt und wählen zwischen zwei Menü. Unser Guide verhandelt noch einen Rabatt für uns und genießt seine Pause dann wieder woanders. Für uns fühlt sich das irgendwie schräg an. Nach der Stärkung fahren wir weiter und passieren eine größere Stadt. Es ist gerade Schulschluss und so laufen unzählige Kinder auf den Gehwegen. Der Himmel ist klar, die Sonne scheint, die Palmen wiegen sich in einem leichten Wind – gerade wirkt die Welt hier wirklich in Ordnung. Wenig später machen wir wieder Halt. Der nächste Touristenspot steht auf dem Programm, denn in der Ferne ist ein Palmenwald vor Gebirgspanorama zu sehen. Wie auch alle anderen Touristen, bleiben wir ein paar kurze Minuten, um Fotos zu schießen. Dann steigen alle wieder in ihre Autos. Immerhin sollen wir ja zum Sonnenuntergang auf den Kamelen sitzen.  

Endlich am Ziel – Kamelreiten in der Wüste

Nach und nach verändert sich die Umgebung. Die Serpentinen führen uns durch die Berge, Häuser und Bäume tauchen nur noch vereinzelt auf, die Landschaft wandelt sich in eine Steinwüste.
Der Abendanbruch kündigt sich mit der tiefstehenden Sonne bereits an, da fahren wir an einer Herde Kamelen vorbei. Neben Ihnen stehen einige der Touristenbusse, die wir heute schon so oft gesehen haben. Kamelführer weisen die Touristen ein, da wissen wir, auch wir sind unserem Ziel nahe. Wenige hundert Meter weiter, warten drei Führer und neun Kamele am Straßenrand. Adil parkt, und bringt uns zu einem der Kamelführer. Dieser spricht kaum englisch und lässt Adil den Ablauf erklären. Unseren Rucksack lassen wir im Auto, denn Adil wird weiter ins Camp fahren. Drei Kamel sollen uns in die Wüste bringen. Das Erste in der Reihe, ein weißes mit freundlichem Blick, wird mich tragen. Mein Freund nimmt auf dem Braunen hinter mir platz. Mit einer großen Bewegung stehen sie auf und schon sind wir in ordentlicher Höhe. Der Führer nimmt die Leine und geht gemütlich los. Die Kamele folgen. Es dauert ein paar Minuten, aber dann hat man sich an das Gewackel gewöhnt und sitzt sicher. Das Dritte, hinterste Kamel in unserer Reihe gibt durchweg merkwürdige Geräusche von sich. Wir können nicht deuten, ob das normal ist oder nicht. Lustig klingt es allemal.
An einem Melonenfeld und ein paar kleinen Hütten vorbei geht es auf unbesiedelte Fläche Richtung Berge. Unter uns ist harter ebenmäßiger Boden, in Terra Cotta gefärbte Steinwüste. Nach Sanddünen sieht es hier nicht aus. Irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.
Wir passieren noch eine geteerte Straße und schon jetzt erahnen wir auch die Camps. Weiter hinten sind Gruppen großer Zelte zu sehen. Alle gerade weit genug voneinander entfernt, um sich gegenseitig vom Camp aus nicht sehen zu können, aber eben nah genug, als dass wir sie alle schon längst gesichtet haben. Unser wortkarger Kamelführer wirkt trotz der Routine sehr bemüht. Immer wieder dreht er sich um, deutet mit den Händen ein OK und schaut uns wartend auf Zustimmung fragend an. Als wir die erste kleine Düne erreicht haben, bietet er an, Fotos mit unseren Handys zu schießen. Später werden wir angesichts so einiger verunglückter Bilder schmunzeln. Mal fehlt ein Kopf, mal ist das Bild verschwommen. Aber ein paar, sind dann doch ganz gut geworden. Zumindest die Bilder sehen so aus, wie wir uns unser Wüstentour in Marokko vorgestellt haben. Nach knapp einer Stunde erreichen wir unser Ziel. Der kurze Ritt führte bis zu einer kleinen Dünenansammlung, in deren Mitte das Camp errichtet ist. Unsere Vorstellung von Wüstenabenteuer, trifft hier aber nicht zu. Denn wir sind nicht „mittendrin“. Die anderen Camps sind zu erahnen, und mit dem Wissen, dass die Straße nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt liegt, erst kurz vor dem Camp kommen ein paar Sanddünen, wie man sie in der Wüste erwartet.  

Ein verrückter Abend im Wüstencamp

Freudestrahlend empfängt uns ein Campangestellter. Wir sind die Ersten Gäste heute Abend. Routiniert nimmt er uns auf einen kleinen Rundgang mit und zeigt uns das Speisezelt, das Toilettenzelt, der Bereich um draußen zu entspannen und schlussendlich auch unser Zelt. Alles ist ganz im marokkanischen Stil mit farbenfrohen Tüchern und Kissen eingerichtet. Das sieht wirklich hübsch aus und ist überraschenderweise auch viel komfortabler, als ich gedacht hätte. Während wir unser Zelt beziehen wird es im Camp lauter. Eine spanischsprechende Gruppe ist angekommen. Später beim Teetrinken lernen wir sie kennen, eine Familie aus Kolumbien. Vater, Mutter, ihre drei erwachsenen Kinder und deren Partner reisen gemeinsam von Marokko bis nach Paris. Beim Abendessen verrät uns Adil, dass dies ein besonderer Abend werden wird, denn der kolumbianische Vater hat am nächsten Tag Geburtstag und seine Familie hat eine Torte für ihn organisiert. Kaum haben wir unsere Tajine geleert ist es auch schon Mitternacht. Mit lautem Lachen wird die Torte ins Speisezelt getragen. Wir singen gemeinsam mit den der kolumbianischen Familie und den marokkanischen Campangestellten „Happy Birthday“ und umarmen das Geburtstagskind. Wein und Bier landet auf den Tischen. In ihrer bezaubernden Herzlichkeit werden wir von der Familie wie Freunde behandelt und zu Speis und Trank eingeladen. Es wird getrommelt, gesungen, getanzt, gelacht und immer mal wieder wird das Geburtstagskind herzlich gedrückt. Eine multikulti Party, damit hatten wir auf unserer Wüstentour in Marokko nicht gerechnet. Am nächsten Morgen werden wir pünktlich zum Sonnenaufgang geweckt, so dass wir uns auch den noch in aller Ruhe anschauen können. Nach dem anschließenden Frühstück tauschen wir noch Nummern mit den Kolumbianern aus und schon sitzen wir wieder auf unseren Kamelen. Eine halbe Stunde später steigen wir ins Auto um und machen uns auf den Rückweg nach Marrakech.  

 


Filmstudiuos von Ouarzazate

Unser erster Stopp auf dem Rückweg ist, wie sollte es anders sein, ein touristisches Café. Von dort aus geht es weiter zu den Filmstudios von Ouarzazate. Adil erzählt, was uns dort erwartet und meint, es läge an uns, ob wir die 5 Euro Eintritt zahlen und reingehen wollen. Wir entscheiden uns dagegen. Er fährt weiter, auf einen angrenzenden Hügel. Von dort aus kann man auf das Studiogelände schauen. Wir fühlen uns bestätigt: der Besuch hätte sich für uns nicht gelohnt. Wer kein riesiger Filmfanatiker ist, kann sich das echt sparen. Wir wollen die Zeit dann lieber später in Marrakech verbringen. Es geht zurück durch die Serpentinen. Am Straßenrand stehen immer wieder Verkäufer, stets in der Hoffnung ein paar Touristen würden anhalten. Mineralsteine und auch Getöpfertes werden angeboten. Ich genieße noch einmal die Landschaft, das Berge- und Palmenpanorama.

Fazit der 2-Tages Wüstentour in Marokko

Wir hatten Spaß, was vor allem an unserem Guide und noch mehr an der kolumbianischen Familie lag. Das erhoffte Wüstengefühl hatten wir allerdings nicht. Zwei Tage reichen einfach nicht aus, um von Marrakech weit genug in die Wüste zu gelangen, zumindest nicht, wenn man auch noch touristische Stopps macht. Wer wie wir hofft etwas „Einmaliges“ zu erleben, der sollte die 2-Tages Wüstentour in Marokko nicht buchen. Besser sind da sicher die 5-Tages-Wanderungen. Dann hat man auch die Chance zu sehen, was wir uns unter „Sahara“ vorstellen.
Wenn du allerdings nur ganz kurz mal die allerersten Anzeichen einer Wüste sehen willst, dann kannst du die 2-Tages Wüstentour in Marokko durchaus unternehmen. Aber dafür reicht dann auch eine günstige Großgruppentour. Denn der einzige Unterschied zu unserer „exklusiven“ Tour besteht darin, wie viele Leute mit einem im Auto fahren. Dafür ist der Preisunterschied beträchtlich: knapp 400 Euro für die Exklusive Tour für 2 Personen und gerade einmal 85 Euro pro Person bei einer Großgruppen Tour.

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Tags:
Wüste, Marokko, Marrakesch
Categories:
Sights, Travel Preparation, Bad Experiences, Landscapes
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Deutsch
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