Münster: Ein Reisebericht aus der lebenswertesten Stadt Deutschlands
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Münster: Ein Reisebericht aus der lebenswertesten Stadt Deutschlands
2017-04-05
by TravelMoments
Münster: Ein Reisebericht aus der lebenswertesten Stadt Deutschlands
  •  Germany
Münsterland ist Monsterland, zumindest wenn man dem Tatort glauben will. Und was noch? Ich hatte eine Woche Zeit, um Antworten auf diese Frage zu finden.
Münsterland ist Monsterland, zumindest wenn man dem Tatort glauben will. Und was noch? Im Rahmen eines Recherchestipendiums des Münsterland e.V. hatte ich eine Woche Zeit, um Antworten auf diese Frage zu finden. Einiges wusste ich natürlich schon: Münster ist die Fahrradhauptstadt der Welt. Außerdem läuten hier ständig die Glocken und es soll immer regnen. Tolle Aussichten, gerade für jemanden, der sich nur alle paar Jahre mal auf’s Rad schwingt.

Als Fußgänger kommt man sich in der Stadt tatsächlich wie ein Einzelkämpfer vor. Jeder fährt hier Fahrrad – Frauen in schicken Kostümen, Männer im Anzug und die Polizei. Wie Axel Prahl im Münster Tatort. Der ist zwar Hauptkommissar und kein Streifenpolizist, fein genug für’s Fahrrad ist er sich aber deswegen noch lange nicht. Warum auch? In Münster sind Radfahrer schließlich Könige. Hier gibt es Fahrradampeln, eine Fahrradautobahn und sogar eine Fahrradwaschanlage. Auf den Gehwegen stehen die Räder manchmal in zweiter oder dritter Reihe. Noch ärmer als die Fußgänger sind hier nur die Autofahrer dran, denn sie leben vermutlich in ständiger Angst. Eine Kollision mit einem Radfahrer zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit etliche Beulen und eine immer währende Verachtung nach sich.

Münster ist aber auch die Stadt der komischen Straßennamen – Georgskommende, Drubbel, Krummer Timpen – Giebelhäuser und Kirchen. Dazwischen erheben sich moderne Glasbauten. Ich bin selten ein Fan von diesem Mix, aber in Münster funktioniert es. Die Innenstadt wurde im Krieg beinah komplett zerstört und danach wieder originalgetreu aufgebaut. Prinzipalmarkt, Spiekerhof – so niedlich und historisch diese Orte klingen, sind sie auch tatsächlich. Die Altstadt wirkt beinah wie ein Miniaturmodell aus einer Schneekugel. Ein gemütlicher Spaziergang führt von der spätgotischen Lambertikirche über den Prinzipalmarkt und den Domplatz zum Spiekerhof, wo man sehr gut westfälisch speisen kann. Münster ist nämlich auch die Stadt des Pumpernickel und des Pinkus Bieres. Wer am Samstag in Münster ist, sollte unbedingt den Wochenmarkt am Dom besuchen. Hier trifft sich die ganze Stadt zum Einkaufen, je später es wird auch immer mehr Touristen. Verkauft werden regionale Produkte und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Am Wochenende zieht es viele auf die Promenade, den 4,5 km langen Grünstreifen, der sich entlang der ehemaligen Befestigungsmauer um die Stadt zieht. Hier treffen sich Spaziergänger, Jogger und natürlich auch die Radfahrer. Alle anderen Münsteraner sind am Aasee. Hier habe ich meinen persönlichen Lieblingsplatz gefunden. Ist Münster spießig? Auch. Aber Münster ist auch, besonders kulturell gesehen, vielfältig und modern. In der Skulpturenstadt sind zahlreiche Kunstwerke verteilt, die zum Spazieren und Entdecken einladen. Es gibt viele interessante Museen, Theater und eine spannende, wenn auch kleine Subkultur. In der Filmstadt begegnet man natürlich immer wieder Boerne, Thiel und Wilsberg. Mich haben aber auch die Orte im Umland begeistert, die zum Teil ein enormes kulturelles Angebot bieten. Dazu gehören zum Beispiel das Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde oder das Kloster Bentlage in Rheine. Diese Begegnungsstätten zeigen, dass Kultur im ländlichen Raum durchaus funktionieren kann.

Die Einwohner selbst behaupten, Münster wäre die lebenswerteste Stadt Deutschlands. Auf jeden Fall fällt mir der Abschied nach einer Woche in dieser Idylle schwer. Um die These jedoch bestätigen zu können, reicht die Zeit vermutlich nicht aus.  Bloß gut, denn es gibt noch einiges, das ich mir ansehen und das ich ausprobieren möchte. Bei meinem nächsten Besuch in der Stadt traue ich mich dann auch auf’s Rad! Es hat übrigens in meinen 7 Tagen in Münster nicht einmal geregnet. Auf das Läuten der Glocken muss man allerdings nie lange warten.

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Tags:
Münster, Münsterland, Deutschland, Europa, Städtereise
Categories:
City, Sights
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Deutsch
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